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TYPO3 Dialogue Days: Eine gemeinsame Grundlage für die bevorstehende Arbeit schaffen

Zwei intensive Tage machten gemeinsame Prioritäten, Anliegen und Verantwortlichkeiten deutlicher sichtbar, während die Bewertung, Priorisierung und formellen Entscheidungen den nächsten Phasen des Prozesses überlassen blieben.

Einleitung

Am 13. und 14. Juli kamen 52 Mitglieder der TYPO3 Association in den Räumlichkeiten der TYPO3 GmbH in Düsseldorf zu den TYPO3 Dialogue Days zusammen.

Die zweitägige Veranstaltung brachte Einzelpersonen, Contributorinnen, Vertreter von Agenturen und gewählte Gremien zusammen, um darüber zu diskutieren, wie TYPO3 unabhängig, wettbewerbsfähig, nachhaltig und fest in seiner Open-Source-Community verankert bleiben kann.

Von Anfang an waren die „Dialogue Days“ kein Entscheidungsgremium und sollten weder eine endgültige Strategie noch eine verbindliche Vereinbarung hervorbringen. Die Veranstaltung war Teil eines umfassenderen Prozesses, bei dem zugehört, Feedback gesammelt und bestehende Überlegungen mit den im gesamten TYPO3-Ökosystem vertretenen Perspektiven in Einklang gebracht wurden.

Warum die Dialogue Days stattfanden

TYPO3 steht vor Fragen, die die Zukunft des gesamten Projekts betreffen: Wie sollen Verantwortlichkeiten verteilt werden? Wie sollen Entscheidungen getroffen werden? Wie kann das Projekt nachhaltig finanziert werden? Und wie lassen sich Open-Source-Prinzipien mit der Notwendigkeit verbinden, in einem sich wandelnden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben?

Die TYPO3 Association und die TYPO3 GmbH hatten sich bereits vor der Veranstaltung mit einer Reihe dieser Fragen beschäftigt. Ziel der Dialogue Days war es, einen Raum zu schaffen, in dem diese Überlegungen gemeinsam mit den Erfahrungen, Bedenken und Ideen der Mitglieder der TYPO3 Association betrachtet werden konnten.

Die Dialogue Days sind nicht die einzige Möglichkeit, sich an diesem Prozess zu beteiligen. Weitere Diskussionen und Feedbackmöglichkeiten wird es bei den bevorstehenden TYPO3 Developer Days vom 6. bis 8. August in Karlsruhe, im persönlichen Austausch sowie im Rahmen der Mitgliederversammlung geben, bei der ab 2027 wesentliche Änderungen anstehen.

Vorgehensweise

Die Veranstaltung wurde von Wolfgang Fiebig und Lena Peller moderiert. Dabei kamen verschiedene Formate zum Einsatz, darunter die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven, „Appreciative Inquiry“ und ein „World Café“.

Am ersten Tag lag der Schwerpunkt darauf, zuzuhören, Bedenken offen anzusprechen und die von der TYPO3 Association und der TYPO3 GmbH vorgelegten Vorschläge und Herausforderungen zu prüfen. Die Diskussion verlief zeitweise intensiv, insbesondere hinsichtlich des Veranstaltungsformats, der Vorbereitungsunterlagen, der Governance-Vorschläge und das künftige Verhältnis zwischen community-getriebener und kommerzieller Entwicklung.

Im Rahmen der Appreciative Inquiry arbeiteten die Teilnehmenden zunächst in Zweiergruppen, anschließend in Vierer- und schließlich in Achtergruppen. Die Gruppen besprachen die Erkenntnisse aus den persönlichen Gesprächen und stellten ihre Ergebnisse anschließend dem gesamten Plenum vor.

Am zweiten Tag arbeiteten die Teilnehmenden an neun World-Café-Tischen. An jedem Tisch wurden vier Leitfragen diskutiert, wobei die Teilnehmenden zwischen den Tischen rotierten, während jeweils ein Gastgeber an seinem Platz blieb. Anschließend kamen die ursprünglichen Gruppen wieder zusammen, identifizierten die deutlichsten Ergebnisse ihrer Gespräche und präsentierten diese der gesamten Gruppe.

Die Ergebnisse wurden in fünf übergeordnete Themenbereiche zusammengefasst:

  • Das Wofür
  • Existenz 
  • Das Wir
  • Das Wie
  • Kultur

Anschließend markierten die Teilnehmenden mit Klebepunkten, welche einzelnen Aspekte sie für besonders wichtig hielten. Da die verfügbare Zeit nicht ausreichte, um die Gewichtung gemeinsam abschließend auszuwerten, wird der Vorstand die priorisierten Ergebnisse im Rahmen der Nachbereitung prüfen und bewerten.

Was sich aus den Diskussionen ergab

Die Dialogue Days lösten nicht alle Fragen, was auch nicht der Erwartungshaltung entsprach. Sie haben jedoch eine Reihe gemeinsamer Prioritäten, Meinungsverschiedenheiten und offener Fragen deutlicher zutage treten lassen.

In den verschiedenen Formaten kristallisierten sich immer wieder einige Themen heraus:

  • Das Projekt benötigt eine nachhaltige wirtschaftliche Grundlage.
  • Die Relevanz der Produkte und die Beteiligung der Community müssen gemeinsam berücksichtigt werden.
  • Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen müssen klarer definiert werden.
  • Transparenz, Vertrauen und respektvoller Umgang sind für eine effektive Zusammenarbeit unerlässlich.

Die Teilnehmenden betonten wiederholt die Rolle von TYPO3 bei der Förderung digitaler Souveränität sowie seine Bedeutung für Agenturen, Unternehmen, kleine und mittlere Betriebe, Organisationen des öffentlichen Sektors und das breitere Open-Source-Ökosystem.

Die Diskussionen verdeutlichten außerdem den engen Zusammenhang zwischen Beteiligung und Verantwortung. Die Mitglieder wünschen sich substanzielle Möglichkeiten, sich einzubringen. Beteiligung setzt jedoch zugleich voraus, Verantwortung zu übernehmen und bereit zu sein, die damit verbundene Arbeit mitzutragen.

Gleichzeitig bleiben einige Fragen offen:

  • Wie sollen die Verantwortlichkeiten zwischen Association, GmbH, Teams und Mitwirkenden verteilt werden?
  • Wie kann Beteiligung strukturiert werden, ohne notwendige Entscheidungen zu verlangsamen?
  • Wie kann TYPO3 kommerzielle Anforderungen und Open-Source-Entwicklung miteinander in Einklang bringen?
  • Wie lassen sich Transparenz und Koordination innerhalb des Ökosystems verbessern?

Governance: Klarere Zuständigkeiten und sinnvolle Mitwirkung

Eine der zentralen Diskussionen drehte sich darum, wie TYPO3 sinnvolle Beteiligung mit klarer Verantwortung und Handlungsfähigkeit verbinden kann.

Die Teilnehmenden diskutierten einen neuen Governance-Vorschlag, der „Units“ als Strukturmodell zur Neuorganisation der aktuellen Teamstruktur einführt (siehe Präsentation). Der Vorschlag zielt darauf ab, bestehende Koordinationsprobleme anzugehen und klarere Zuständigkeiten zu schaffen, ohne dabei die Möglichkeiten zur Mitwirkung einzuschränken.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen insbesondere:

  • Die Verteilung der Zuständigkeiten zwischen gewählten Gremien, Teams/Units und Mitwirkenden.
  • Das Verhältnis zwischen Mitbestimmung und Rechenschaftspflicht.
  • Die Fähigkeit der zuständigen Gremien, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.
  • Die Rolle der Mitgliederversammlung bei der Genehmigung formaler Strukturänderungen.
  • Die Notwendigkeit größerer Transparenz während des gesamten Prozesses.

Die Diskussionen machten zudem deutlich, dass der Vorstand der TYPO3 Association nicht alle daraus resultierenden Aufgaben allein bewältigen kann. Ein funktionierendes Governance-Modell hängt daher nicht nur von formalen Strukturen ab, sondern auch davon, dass Mitglieder und Teams Verantwortung für definierte Arbeitsbereiche übernehmen.

Der Vorstand räumte ein, dass relevante Unterlagen vor den Dialogue Days nicht vorab bereitgestellt worden waren. Dies wurde als wichtige Erkenntnis für den weiteren Governance-Prozess festgehalten.

Der Governance-Vorschlag befindet sich weiterhin im Entwurfsstadium. Änderungen an der Satzung oder den formalen Strukturen der Association erfordern das entsprechende satzungsgemäße Verfahren sowie die Zustimmung der Mitgliederversammlung.

Introducing: Die TYPO3 Suite & die Herstellerhaftung gemäß CRA

Ein neues kommerzielles Angebot

Die künftige Finanzierung und kommerzielle Produktmodelle bildeten einen weiteren wichtigen Bestandteil der Diskussionen. Daniel Fau stellte die Pläne der TYPO3 GmbH zur Herstellerhaftung nach dem Cyber Resilience Act, kurz CRA, sowie das kommerzielle Angebot „TYPO3 Suite“ vor. Der präsentierte Kontext umfasste die finanzielle Nachhaltigkeit, wachsende Compliance-Anforderungen und die Wettbewerbsfähigkeit von TYPO3 bei Projekten von Agenturen, Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors. Die Präsentationsfolien stehen gemeinsam mit diesem Artikel zum Download bereit.

Die Herstellerhaftung nach dem CRA soll eine eindeutig verantwortliche kommerzielle Stelle für TYPO3 LTS benennen. Dadurch würden Agenturen und ihre Kunden mehr Sicherheit bei Beschaffungsprozessen erhalten, in denen eine klar definierte Herstellerverantwortung, Compliance und CE-Kennzeichnung erforderlich sind.

Frühere Bereitstellung wichtiger Features

Die TYPO3 Suite soll ein zusätzliches Bereitstellungs- und Finanzierungsmodell für markt- und projektkritische Features bieten. Die festen LTS-Zyklen von TYPO3 sind für die Stabilität und Zuverlässigkeit des Produkts von zentraler Bedeutung, können es jedoch auch erschweren, schnell zu reagieren, wenn für aktuelle Projekte bestimmte Funktionen benötigt werden. Die Suite soll neben diesen Release-Zyklen einen Fast Track schaffen: Ausgewählte Features können früher entwickelt, finanziert und in der Praxis getestet werden. Zugleich sollen sie von Beginn an darauf vorbereitet werden, später für eine Integration in den TYPO3 Core geprüft zu werden. Eine solche Integration unterliegt weiterhin der Prüfung und Genehmigung durch das TYPO3-Core-Team oder die zuständige Feature-Unit. Zu den entwickelten Funktionen gehört auch die oben erwähnte Herstellerhaftung nach dem CRA.

Das Angebot zielt darauf ab, einen spezifischen Bedarf im Agenturbereich zu decken: die langfristige Stabilität des TYPO3-CMS bei gleichzeitig größerer Agilität, zuverlässiger Compliance und früherem Zugang zu Funktionen, die für konkrete Kundenanforderungen relevant sind.

Von den Teilnehmenden aufgeworfene Fragen

Die Teilnehmenden äußerten Bedenken hinsichtlich des Gleichgewichts zwischen der kommerziellen Entwicklung und dem TYPO3-Projekt im weiteren Sinne, darunter:

  • den Einfluss der TYPO3 GmbH auf die Priorisierung von Features,
  • die zukünftige Rolle der Beiträge von Agenturen und der Community,
  • Produkt-Governance, Zugriff und Preisgestaltung und
  • die Beziehung zwischen den Features der Suite und den öffentlichen TYPO3-Releases.

Um diese Bedenken auszuräumen, stellte Daniel Fau klar, dass die TYPO3 Suite als zusätzlicher kommerzieller Kanal gedacht ist und nicht als Ersatz für das TYPO3 CMS oder dessen bestehendes Contribution-Modells. Das zugrunde liegende Ziel wurde wie folgt zusammengefasst: „Es soll einfacher sein, mit TYPO3 Geschäfte zu machen als ohne.“

Aktueller Stand

Die TYPO3 Suite ist derzeit noch nicht als Produkt verfügbar. Das Konzept, das Verantwortungsmodell und die erste kommerzielle Struktur sollen voraussichtlich im September 2026 für die offizielle Kommunikation bereitstehen. Die Verantwortung für kommerzielle Produktentscheidungen verbleibt bei der TYPO3 GmbH.

Präsentationsfolien

Die Präsentationsfolien stehen zur Information zur Verfügung und sollten im Zusammenhang mit den in diesem Artikel dargelegten Überlegungen gelesen werden. Bitte beachten Sie, dass sie den aktuellen Stand eines noch andauernden Prozesses widerspiegeln.

Wie geht es weiter?

Die Beiträge und Ergebnisse der beiden Tage werden nun vom Vorstand der TYPO3 Association und den anderen verantwortlichen Gremien dokumentiert und geprüft.

Die unmittelbar nächsten Schritte sind:

  • die Ergebnisse des World Cafés und deren Gewichtung zu prüfen,
  • bei den TYPO3 Developer Days einen öffentlichen Arbeitsentwurf des Governance-Vorschlags zu veröffentlichen,
  • einen Termin festzulegen und die Themen für eine außerordentliche Mitgliederversammlung vorzubereiten, die sich mit governancebezogenen Satzungsänderungen und dem Verfahren für Anträge befassen wird.

Der Vorstand wird zudem prüfen, wie die daraus resultierenden Aufgaben auf Teams und Teilnehmende verteilt werden können, anstatt sie ausschließlich den gewählten Gremien zu überlassen.

Weitere Möglichkeiten für Mitglieder und die breitere Community, sich einzubringen, sind die TYPO3 Developer Days, der persönliche Austausch mit den zuständigen Gremien, die öffentliche Diskussion des Arbeitsentwurfs sowie die entsprechenden Verfahren der Mitgliederversammlung.

Ein Schritt in einem fortlaufenden Prozess

Die Dialogue Days zeigten sowohl die Intensität der Bedenken hinsichtlich der Zukunft von TYPO3 als auch die Bereitschaft der Teilnehmenden, sich mit diesen auseinanderzusetzen.

Außerdem wurde deutlich, dass konstruktive Zusammenarbeit mehr erfordert, als lediglich Möglichkeiten zum Austausch zu schaffen. Sie hängt von Transparenz, guter Vorbereitung, gegenseitigem Respekt, der Bereitschaft zuzuhören und Verantwortung für die bevorstehende Arbeit zu übernehmen.

Wie ein Teilnehmer am Ende der Veranstaltung feststellte:

„Wie das Ergebnis zu bewerten ist, werden wir vielleicht erst in einigen Monaten wissen.“

Die Arbeit wird nun in den verantwortlichen Gremien, Teams und künftigen Dialogformaten fortgesetzt.